Reinhold Göbel bildet in Bad Krozingen Dienst- und Privathunde aus.

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Reinhold Göbel und sein Rottweiler Don Foto: Ute Wehrle

BAD KROZINGEN. Reinhold Göbel, der in Bad Krozingen einen privaten Sicherheitsdienst betreibt, und sein belgischer Schäferhund Alon sind im Kurort längst keine Unbekannten mehr: Nachts, wenn alles schläft (oder schlafen sollte), schauen die beiden auf Recht und Ordnung in der Stadt. Seit Neuestem ist Göbel auch mit einem Rottweiler zu sehen, der auf den Namen Don hört und noch „in der Lehre“ ist. Der Hundeführer aus Leidenschaft kümmert sich jedoch nicht nur um die Ausbildung von Diensthunden – auch Familienhunde können seit nunmehr 20 Jahren seine Hundeschule besuchen .

Hunde waren für ihn schon als Kind das Allergrößte. Ein eigener scheiterte allerdings am Widerstand seiner Mutter. Doch Göbel, der in Nimburg aufgewachsen ist, wusste sich zu helfen: „Immer, wenn ich Zeit hatte, habe ich mir einen Hund ausgeliehen.“ Förmlich angebettelt habe er die Leute, ihre Vierbeiner ausführen zu dürfen. Als er zwölf Jahre alt war, nahm er den ersten Vierbeiner in Pension. Überhaupt habe er jedes Buch verschlungen, das es über Hunde gab, erzählt Göbel. Über seinen Traumberuf musste er sich jedenfalls nicht viel Gedanken machen: Dass er Hundeführer wird, stand schon früh für ihn fest.

Dank seiner langjährigen Erfahrung weiß er, warum das Zusammenleben zwischen Mensch und Hund nicht immer reibungslos funktioniert. „Das Problem ist nicht, dass der Hund nicht folgt. Vielmehr verhält sich in solchen Fällen der Halter falsch“, ist er überzeugt. Das fange mit Kommunikation an, die von menschlicher Seite häufig viel zu überladen sei. Wer seinen Hund mit langatmigen und immer wieder anders formulierten Sätzen zu sich rufe, müsse sich nicht wundern, wenn der Vierbeiner eigene Wege geht. Der kann dann nämlich schlicht nicht nachvollziehen, was Herrchen oder Frauchen eigentlich von ihm will. Wie so oft liegt auch hier die Würze in der Kürze. Ein einfaches „Hier“ reiche völlig aus, dass der Vierbeiner genau weiß, was von ihm erwartet wird. Von Leckerlis und Spielzeug als Belohnung hält Göbel übrigens nicht allzu viel: „Das gibt es in der freien Natur auch nicht.“ Dasselbe gilt für das Werfen von Stöckchen oder Bällchen. Der Hund ist nämlich vom Trieb her so programmiert, dass er nur einmal am Tag auf Jagd geht. Saust er jetzt ständig Stöckchen oder Bällchen hinterher, werde bei ihm künstlich der Jagdtrieb forciert. „Das wiederum versetzt den Hund in Stress.“ Viel sinnvoller sei es, den Hund geeignete Gegenstände beim Gassigehen als „Beute“ tragen zu lassen, empfiehlt Göbel.

Apropos gemeinsamer Spaziergang: „Es muss klar sein, wer der Chef ist.“ Derjenige, der die Leine hält, hat das Sagen. Danach sollten sich auch alle Familienmitglieder richten – egal, ob Mama, Papa oder Kind den Hund führt. „Dieselben Befehle und dieselbe Körpersprache sind oberstes Gesetz.“

Was überhaupt nichts bringt, seien Schläge oder gar Stromhalsbänder. „Wenn der Hund damit konfrontiert wird, hat er keine Chance mehr auf ein normales Dasein“, sagt Göbel. Wichtig sei weiterhin die Körpersprache des Menschen. Dazu gehört beispielsweise, nicht frontal auf einen Hund zuzugehen. „Das empfindet er schlicht als Bedrohung.“ Richtig sei, dem Vierbeiner mit leicht abgewandtem Körper zu begegnen: „Das signalisiert ihm, dass er sicher ist.“ Wenn der Hund dann noch ausreichend Bewegung und die richtige Ernährung bekommt – viel Fleisch, wenig Trockenfutter –, sei das schon die halbe Miete für ein glückliches Zusammenleben zwischen Mensch und Tier, ist der Hundeführer überzeugt.

Ute Wehrle

Quelle: Badische Zeitung

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