Seit einigen Monaten häufen sich in der Ortenau die Fälle: Ein Unbekannter dringt in Pferdekoppeln ein und verletzt die Tiere. Solche Taten können unterschiedliche Motive haben, erklärt ein Polizei-psychologe: Hass auf Pferde oder ihre Halter, Sadismus, oder auch Geltungssucht.

OFFENBURG/KEHL ■ Er kommt meist in der Abenddämmerung oder im Morgengrauen, sticht mit Messern oder scharfen Gegenständen auf das Tier ein und verletzt es im Genitalbereich. Seit einigen Monaten treibt ein Pferdeschänder im Ortenaukreis sein Unwesen. In diesem Jahr wurden bereits sechs Fälle gemeldet, berichtet Polizeisprecher Emil Roth: drei in Kehl, zwei in Offenburg und einer in Willstätt.

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Pferdezüchter Reinhard Schwehr möchte seine Tiere besser schützen. Er lässt zwei Hunde zu ihrem Schutz eigens schulen. FOTO: dpa

Da die Fälle ähnlich gelagert seien, geht die Polizei von einem Täter aus. Nachahmer seien allerdings nicht ausgeschlossen. Alle Tiere überlebten schwer verletzt die heimtückischen Angriffe. „Seit dem Jahr 2000 haben wir im Ortenaukreis rund ein Dutzend solcher Fälle zu verzeichnen”, sagt der Polizeisprecher. Alle Taten wurden auf Pferdekoppeln begangen, die außerhalb von Ortschaften liegen. „Deshalb ist es auch so schwierig, Zeugen zu finden“, erklärt Roth.

Außerhalb der Ortenau wurden in diesem Jahr unter anderem im Raum Sigmaringen und Biberach sowie in der Nähe von Lindau am Bodensee Pferde von Unbekannten schwer verletzt. „Die Dunkelziffer dürfte wesentlich höher liegen“; sagt Adolf Gallwitz, Professor für Sexualdelikte an der Polizeihochschule Villingen-Schwenningen. Bei solchen Tätern könnten ganz verschiedene Motive eine Rolle spielen, erklärt der Polizeipsychologe: „Sie handeln oft aus sexuellen Motiven, aus Sadismus, Zerstörungswut oder weil sie Hass auf Frauen haben.“

Ebenfalls könne Neid oder Hass auf Pferdebesitzer oder genereller Hass auf Pferde eine Rolle spielen, berichtet Gallwitz. Sogar Geltungssucht sei ein mögliches Motiv, solche Täter seien auf die Medienberichterstattung aus. „Pferde sind einfache Opfer und herausragend edle Tiere, die gleich nach dem Menschen kommen“, erklärt der Psychologe die Gedankengänge der Täter. Nicht selten handele es sich um „Sadisten, die ihre perversen Neigungen an den Tieren ausleben“. Nicht ausschließen will Gallwitz, dass solche Täter später auch gegen Menschen gewalttätig werden: „Sie sind zumindest gefährdet.“

Wie gewalttätig Pferdeschänder vorgehen können, hat Reinhard Schwehr aus Heuweiler (Kreis Breis-gau-Hochschwarzwald) vor zwei Jahren erlebt. Damals fand er eines Morgens ein Fohlen tot auf der Pferdekoppel: „Das Tier war im Genitalbereich aufgeschlitzt.“ Jetzt möchte der Inhaber einer Reitschule seine Pferde durch zwei Hunde schützen lassen: „Die Geschichte wird kein Ende nehmen, wenn man die Täter nicht stoppen kann.“

Eigens geschulte Hunde

Hundetrainer Reinhold Göbel aus Freiburg, bildet die Tiere für Schwehr aus. Er hat dafür ein spezielles Programm für Herdenschutzhunde entwickelt, die auf Reitanlagen eingesetzt werden: „Meines Wissens gibt es das bisher nicht. Hunde, die selbstständig Schafherden vor Wölfen oder Bären beschützen, gibt es zwar schon, allerdings fast nur im Ausland.“ Doch seine Hunde sollen die Tiere auf der Weide vor dem „Pferderipper“ beschützen. Das könnte nötig sein, denn „wir haben nach wie vor keine heiße Spur“, berichtet Polizeisprecher Roth.

KLAUS KÖRNICH, dpa

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